Im Mai 2024 besuchte uns Nils Kahlefendt, Journalist für das Börsenblatt (Fachmagazin der Buchbranche), um kurz vor dem Literaturfest über das Literaturfest zu sprechen und sich dabei auch gleich die Stadt und die Buchläden in Meißen angeschaut.
Literaturfest und Buchhandel in Meißen
Meißen liest
17. Juni 2024, Nils Kahlefendt
In der Stadt der ältesten Porzellanmanufaktur Europas tragen Buchhandlungen wesentlich dazu bei, dass ein Literaturfest die unterschiedlichsten Menschen erreicht.
Wenn Daniel Bahrmann und Maria Fagerlund vom Meißener Kulturverein in diesen Tagen die Wetter-Apps konsultieren, wissen sie: Es kann eng werden. Zwar haben die Macher des Literaturfests Meißen Sonne satt bestellt – aber »Deutschlands größtes eintrittsfreies Open-Air-Lesefest«, so die Eigenwerbung, sollte besser unter postkartenblauem Himmel stattfinden.
Vom 14. bis 16. Juni wird die Große Kreisstadt an der Elbe (29.000 Einwohner) ein Wochenende lang im Takt der Literatur swingen.
Lesen und lesen lassen: auf vier Freiluftbühnen in der Stadt und an 35 weiteren Partner-Orten. Dazu öffnen viele Meißener ihre Gärten, Gewölbe, weinberankten Höfe und Besenwirtschaften; Ladenbesitzer und Kneipiers stellen Stühle auf die romantischen Altstadtgassen. 200 Lesungen, die Hälfte von Autorinnen und Autoren – darunter viele bekannte Namen wie Kerstin Hensel, Paula Irmschler, Lutz Rathenow, Chef-Prinz Sebastian Krumbiegel sowie Hans-Eckehard Wenzel, andere im Kleinst- oder Selbstverlag mit BoD-Anbindung. Dazu jede Menge Meißener Bürger mit ihren Lieblingsbüchern, ein Kanu-Verein, der Florian Illies vorliest, und der sächsische Wirtschaftsminister hat Jan Konsts »Wintergarten« im Gepäck, den Roman einer Meißener Familie im »langen 20. Jahrhundert«.
Mal stattfindet und, wenn es gut läuft, zwischen 10.000 und 16.000 Besucher mobilisiert. Ein weiteres Festival im – trotz aller Sparzwänge – noch immer opulent angerichteten deutschen Kultursommer, so what? Uns hat interessiert, wie es in einer sächsischen Provinzstadt, weitab von Prenzlauer Berg, Schanzenviertel oder Schwabing, um Buch und Lesekultur bestellt ist – und welche Rolle der Buchhandel bei alldem spielt.
Schaut man auf Städte ähnlicher Größe, die wie das sächsische Delitzsch (25.000 Einwohner) zwischenzeitlich Gefahr liefen, ganz ohne lokale Buchhandlung dazustehen, ist Meißen mit drei ganz
unterschiedlichen, gut funktionierenden Sortimenten sehr gut aufgestellt. Der Buchladen Köster, im Herbst 2018 an einer der Touristen-Rennstrecken hinauf zur Albrechtsburg in einem bilderbuch-sanierten Haus aus dem 17. Jahrhundert eröffnet, ist mit eigenen Lesungen am Literaturfest beteiligt. Die Meißener Buchhandlung, die in diesem Jahr 20. Gründungsjubiläum feiert und seit 2006 ihren Sitz in 1-a-Lage am Markt hat, organisiert in einem Pavillon neben der Hauptbühne den größten Büchertisch des Festivals. Die Meißener Thalia-Filiale wiederum liegt vis-á-vis der Open-Air-Bühne
am Heinrichsplatz – die Buchhandlung war anfangs beteiligt, und rührt immer noch die Werbetrommel fürs Literaturfest, etwa durch die Auslage des gedruckten Programmhefts.
Jeden Titel gibt’s nur einmal
Gelernt hat Linda Woischwill bei Thalia in Dresden, seit 2019 arbeitet sie in der von Jens Köster in Meißen gegründeten Buchhandlung. Sie pendelt mit der S-Bahn, täglich eine Dreiviertelstunde hin und zurück. Das außergewöhnliche Konzept des Ladens, der im vergangenen Jahr mit dem Deutschen Buchhandlungspreis ausgezeichnet wurde, hat sie überzeugt. Und wo, bitte, hätte sie sonst die Freiheit,
mit Alexandra Stahl (»Frauen die beim Lachen sterben«, Jung & Jung) und Cecilé Joyce Röski (»Poussi«, Hoffmann und Campe) zwei spannende Autorinnen jenseits des Mainstreams zum Literaturfest
einzuladen? […]





Quelle: https://www.boersenblatt.net/news/buchhandel-news/meissen-liest-334795


































































