Literaturfest Meißen vom 10. bis 12. Juni 2022

Das Literaturfestival in Meißen

Es war ein fulminantes Wochenende für alle, die gern lesen und sich vorlesen lassen: Auf 5 Bühnen und bei 20 Programmpartnern fand das 12. Literaturfest Meißen mit insgesamt 170 Lesungen statt. Zum allergrößten Teil waren es Autoren, die dem Publikum ihre eigenen Bücher vorstellten, aber auch Meißner Bürger und Politiker aller demokratischen Parteien waren wieder auf den Bühnen vertreten und lasen aus ihren Lieblingsbüchern.

Die Buchhandlung am Markt hatte neben der Hauptbühne einen dicht bepackten Büchertisch aufgebaut und viele Zuhörer nutzten die Chance, gleich im Anschluss an die Lesungen das jeweilige Buch zu erwerben und vom Autor signieren zu lassen – Christoph Hein, Alexander Osang oder Frank Goldammer trifft man schließlich nicht alle Tage persönlich.

Neben den großen, bekannten Namen lebt das Literaturfest aber immer vor allem von den vielen charmanten, kleineren Leseorten: In Innenhöfen, Weinkellern, Kneipen wurde gelesen und gelauscht. Der Meissener Kulturverein e.V. als Organisator bedankt sich herzlich bei allen Programmpartnern, die mit viel Enthusiasmus und Engagement ihre eigenen Bühnen organisiert und auch an abgelegeneren Orten wie dem Heil- und Kräutergarten oder der Urbanskirche vielfältige Programme angeboten haben. 

Dank der spätsommerlichen Temperaturen saßen am Samstag noch bis spät in die Nacht angeregt plaudernde Grüppchen nicht nur auf dem Markt zusammen und genossen bei einem guten Meißner Wein das ’schönste Wochenende des Jahres‘, wie eine Vorleserin das Literaturfest nennt. Und sie muss nicht einmal ein ganzes Jahr warten, bis es wieder soweit ist: das Literaturfest 2022 wird – hoffentlich ohne pandemiebedingte Verschiebung – am üblichen Termin stattfinden können, nämlich vom 10. bis 12. Juni 2022


Impressionen vom Literaturfest 2021

  • Landrat Ralf Hänsel bei der Eröffnung
    Landrat Ralf Hänsel bei der Eröffnung

Literaturfestpreis 2021

Preisverleihung zum Abschluss des 12. Literaturfest Meißen

Am vergangenen Wochenende fand zum nunmehr zwölften Mal das vom Meissener Kulturverein organisierte Literaturfest Meißen statt. An 3 Tagen auf 5 Open-Air-Lesebühnen und bei 20 Programmpartnern konnten interessierte Zuhörer ingesamt 171 Lesungen erleben.

Seit 2019 wird als Abschluss des eintrittsfreien Lesefestivals jährlich der vom Rotary Club Meißen gestiftete Literaturfestpreis verliehen. Der mit 1000€ dotierte Preis soll eine Förderung und Anerkennung besonders für junge Schriftsteller sein, so Hans-Christoph von Zahn, der für den Rotary Club bei der Preisverleihung zugegen war.

Wie schon im Vorjahr wurde der Preis auch 2021 auf zwei Nachwuchsautoren aufgeteilt: Julia Rothenburg und Anselm Oelze wurden von einer Jury aus den zahlreichen anspruchsvollen Beiträgen ausgewählt und lasen jeweils einen kurzen Auszug aus ihren Texten auf der großen Bühne am Markt.

Die Berliner Autorin Julia Rothenburg (Jahrgang 1990) überzeugte mit ihrem zweiten Roman ‚Mond über Beton‘, der im sozialen Brennpunkt Berlin Kottbusser Tor nicht nur einen buntgemischten Chor von Anwohnern, sondern auch das Haus zu Wort kommen lässt, in dem sie alle leben: einen hässlichen, aber überraschend feinfühligen Betonklotz, in dem alle Fäden der vielschichtigen Handlung zusammenlaufen.

Im Anschluss bekam das Publikum noch einen Einblick in ‚Die Grenzen des Glücks. Eine Reise an den Rand Europas‘ von Anselm Oelze. Der 1986 geborene, in Leipzig lebende Autor reiste auf die griechische Insel Lesbos, kurz nachdem dort vor gut einem Jahr das größte Flüchtlingslager Europas niederbrannte, und beleuchtet in seinem kurzen, aber eindringlichen Buch die Hintergründe der humanitären Katastrophe, die sich dort abspielt.

Oelze beendete seine Lesung mit einem Appell an die Zuhörer, sich vor allem im Hinblick auf die anstehende Bundestagswahl mit den Fragen zu befassen, die wir als Gesellschaft uns stellen müssten: Wie sieht das Europa aus, das wir wollen? Welche Verantwortung tragen wir?

Ein würdiges Schlusswort eines gelungenen Literaturfestes in nachdenklichen Zeiten.


Das Programm

Christoph Hein, Mo Asumang, Alexander Osang und viele andere bei Deutschlands größtem eintrittsfreien Open-Air-Lesefest

Was lange währt wird gut. Nachdem das Literaturfest Meißen im Juni wie viele andere Kulturveranstaltungen verschoben werden musste, hat das Organisationsteam um Daniel Bahrmann, Maria Fagerlund und Walfriede Hartmann heute das Programm vorgestellt. Mit 172 Lesungen auf fünf Open-Air-Bühnen und bei 21 Programmpartnern aber vor allem mit vielen prominenten Gesichtern setzt das diesjährige Literaturfest noch einmal ganz neue Maßstäbe. Da dürfte es selbst langjährigen Besucherinnen und Besuchern schwer fallen, einige wenige Höhepunkte herauszupicken. Wir bieten einen kleinen Überblick.

Interkulturelle Bühne

Eine Neuheit beim diesjährigen Literaturfest ist die Interkulturelle Bühne in Bahrmanns Hof in der Webergasse 2. In Kooperation mit der Diakonie Meißen und dem Buntes Meißen – Bündnis Zivilcourage e.V. werden hier mehrsprachige Lesungen präsentiert. Außerdem finden Bücher und Themen rund um die großen sozialen Themen Immigration, Vielfalt und Rassismus ihre Bühne. So wird am Freitag, den 10. September, 18 Uhr die bekannte Schauspielerin und Moderatorin MO ASUMANG ihr Buch „Mo und die Arier“ vorstellen, ein erschütternder Bericht über ihre eigenen Rassismus-Erfahrungen. Am Samstag ab 18 Uhr erzählt dann Autor ANSELM OELZE in die „Die Grenzen des Glücks“ von seinen Eindrücken aus dem abgebrannten Flüchtlingslager Moria auf Lesbos, das er persönlich besucht hat.

Menschen, Meinungen und Lebenswege

Gleich zur Eröffnung am Freitag um 16 Uhr auf dem Markt liest Landrat RALF HÄNSEL aus einem der wohl wichtigsten Bücher des Jahres: „Über Menschen“ von Juli Zeh. Die Autorin beschreibt Deutschland und die gegensätzlichen Meinungen, die hier aktuell aufeinanderprallen offensichtlich so treffend, wie Politiker es auch gern könnten. Nur so ist wohl zu erklären, dass Juli Zehs Gesellschaftsromane immer wieder gern von Politikern auf den Bühnen des Literaturfestes vorgestellt werden.

Wer stattdessen eher einmal eine Pause von den aktuellen tagespolitischen Diskussionen braucht, der kann zur selben Zeit auf dem Heinrichsplatz einen zu Unrecht in Vergessenheit geratenen Schriftsteller (wieder)entdecken. ARMIN FUHRER hat eine neue Biografie über Emil Ludwig verfasst und liest daraus ebenfalls am Freitag um 16. Emil Ludwig wurde in den 1920er und 30er Jahren vor allem in den USA als größter deutscher Autor seiner Zeit gefeiert wie ein Popstar. Wer war der Mann hinter diesem „Hype“?

Die aktuellen Popstars unter den lokalen Krimi- und Thriller-Autoren sind ebenfalls wieder mit von der Partie. FRANK GOLDAMMER liest am Freitag um 17 Uhr auf dem Markt aus seinem neuesten Werk „Verlorene Engel“: Ein weiterer Fall für Max Heller und sein Team, die 1956 in Dresden einem Frauenmörder auf der Spur sind. Ähnlich kriminell geht es auch ab 17.30 Uhr im DDV-Lokal am Heinrichsplatz zu, wo VIKTORIA KREBS „Marias Versprechen“ vorstellt, und wenn ab 18 Uhr im Jahnaischen Freihof bei PETER BRAUKMANNS Lesung der Meißner Ermittler Steffen Schröder seinen neuesten Fall lösen muss.

Provinz und Weite – Bewegte Jahre in Ost und West

Ein Höhepunkt des Literaturfestwochenendes ist bereits am Freitagabend ab 18 Uhr im Ratssaal zu erleben. Der aus Meißen stammende Maler GÜNTER RICHTER hat seine Jugenderinnerungen in dem Buch „Eule. Groteske Geschichte eines Malers“ verarbeitet – eine absolute Lese-Empfehlung, nicht nur für diejenigen, die wie damals der junge Porzelliner Richter täglich die Eisenbahnbrücke überqueren und sich dabei Gedanken über die Welt und das Leben machen. Anschließend liest ab 19.30 Uhr ALEXANDER OSANG aus „Fast Hell“. Der aus dem SPIEGEL bekannte Journalist rekonstruiert darin, wie er nach der Wende als junger Erwachsener den Westen entdeckte, von dem er in der DDR nur träumen konnte. Durch den Abend führt Moderator MICHAEL HAMETNER.

Der Samstag auf der Marktbühne wird so nachdenklich wie spannend: MICHAEL HAMETNER befasst sich ab 13 Uhr in „Deutsche Wechseljahre“ mit Literatur und Bildender Kunst im Kulturbetrieb des wiedervereinten Deutschland. Der ewige Reisende LANDOLF SCHERZER stellt anschließend um 14 Uhr seine Biografie „Weltraum der Provinzen“ vor und zeichnet darin seinen Werdegang zu einem der großen Reporter des Landes nach. Gleich im Anschluss, um 15 Uhr, liest CLAUDIA BIERSCHENK aus „Land ohne Verben“ und versetzt sich, poetisch, verträumt, zurück in ihre Kindheit direkt an der deutsch-deutschen Grenze.

Dasselbe Thema, allerdings aus der ganz ungewohnten Perspektive des Westbesuches beleuchtet MICHAEL GÖRINGs Buch „Dresden“. Er hat über Jahre hinweg die DDR besucht und die Veränderungen bis hin zur Wende miterlebt. Seine Lesung ist am Samstag um 18 Uhr in der Urbanskirche in Meißen-Cölln zu erleben.

Keiner Vorstellung bedarf der vielfach preisgekrönte Schriftsteller CHRISTOPH HEIN, der sich am Samstag ab 19 Uhr im Ratssaal die Ehre gibt. Mitgebracht hat er „Guldenberg“, seinen neuen Roman über ein nettes kleines Städtchen, in dem alles in Ordnung ist, bis ein Flüchtlingsheim eröffnet wird und sich hinter gutbürgerlichen Fassaden unerwartete Abgründe auftun.

Von Schwertern, Schwänen und Legenden

Wer präzise recherchierte historische Romane mag, sollte sich die Bestsellerautorin SABINE EBERT nicht entgehen lassen, die am Freitag ab 19 Uhr in der Albrechtsburg aus „Schwert und Krone“ liest. Alle an Geschichte Interessierten werden sicher auch am Samstag um 11 Uhr in der Erlebniswelt Haus MEISSEN auf ihre Kosten kommen: Dort stellt CHRISTINE VON BRÜHL mit „Schwäne in Weiß und Gold“ die Geschichte ihrer Familie vor, die eng mit dem berühmten Brühlschen Schwanenservice aus Meissener Porzellan verbunden ist.

Empfehlungen für Fußball-Fans sind beim Literaturfest eher selten, aber diesmal gibt es eine Ausnahme: am Sonntag um 14 Uhr lesen FRANK RICHTER und UWE KARTE auf der Marktbühne aus dem „Tagebuch für Walter Fritzsch“. Der legendäre ostdeutsche Trainer führte sein Leben lang detailliert Tagebuch, so dass die Stationen seiner Karriere in Rostock und Dresden aus seiner eigenen Sicht erlebbar werden.

Abschlusslesung

Als krönender Abschluss der Autorenlesungen auf dem Markt erwartet die Gäste am Sonntag um 16 Uhr noch der vielfach ausgezeichnete, große sorbische Schriftsteller und Politiker BENEDIKT DYRLICH, der aus seiner Autobiografie „Leben im Zwiespalt II“ liest, bevor um 17 Uhr mit der Verleihung des Literaturfest-Preises das diesjährige Literaturfest offiziell beendet wird. Bei vielen Programmpartnern wird aber noch bis in die Abendstunden weitergelesen.

Seit 2009 lädt das Literaturfest jährlich in der zweiten Juniwoche nach Meißen ein. Das Besondere an Deutschlands größtem Open-Air-Lesefest: alle Lesungen sind eintrittsfrei. Das Literaturfest wird veranstaltet vom Meißener Kulturverein e. V. unter der Schirmherrschaft von Dr. Thomas de Maizière, mit Unterstützung der Stadt Meißen und des Gewerbevereins Meißen. Gefördert wird das Fest durch den Kulturraum Meißen – Sächsische Schweiz – Osterzgebirge, die Bundesinitiative Neustart Kultur und die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen.

Hauptsponsoren des Festes sind die Sparkasse Meißen, die Privatbrauerei Schwerter Meißen GmbH und die Oppacher Mineralquellen GmbH & Co. KG. sowie der Verkehrsverbund Oberelbe und die Meißener Stadtwerke GmbH.

Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger beteiligen sich ehrenamtlich und bereichern die Vielfalt und Einzigartigkeit des Literaturfests.


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Impressionen vom Literaturfest

  • Lesungen mit Heinz Eggert im ehemaligen Gefängnis

Das Literaturfest wird veranstaltet vom Meißener Kulturverein e.V. unter der Schirmherrschaft von Dr. Thomas de Maizière, mit Unterstützung der Stadt Meißen und dem Gewerbeverein Meißen. Gefördert wird das Fest durch den Kulturraum Meißen – Sächsische Schweiz – Osterzgebirge. Hauptsponsoren des Festes sind die Sparkasse Meißen, die Privatbrauerei Schwerter Meißen GmbH und die Oppacher Mineralquellen GmbH & Co. KG. sowie der Verkehrsverbund Oberelbe und die Meißener Stadtwerke GmbH.
Zahlreiche Bürger und Persönlichkeiten beteiligen sich ehrenamtlich und bereichern die Vielfalt und Einzigartigkeit des Literaturfests.

Unsere Sponsoren

Neustart Kultur

Das Literaturfest Meißen wird gefördert im Rahmen von „Neustart Kultur“ der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien durch den Deutschen Literaturfonds e.V

Das Literaturfest Meißen 2021 wird mitfinaziert mit Mitteln des vom Landkreis Meißen beschlossenen Haushalts.