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Lesung in arabisch, deutsch und farsi

2018-06-09 15:38
Ahmad Seyar Rasuly und Abdullah Salloum (v.l.n.r.)

Geschichten und Erzählungen aus allen Teilen der Welt sind fester Bestandteil des Literaturfestes Meißen. Lesungen finden dabei nicht nur in deutscher Sprache statt. In der Vergangenheit gab es auch schon Lesungen unter anderem in Englisch, Französisch, Ungarisch und Esperanto.

In diesem Jahr wird es auch Lesungen in deutscher, arabischer und persischer Sprache geben. Ahmad Seyar Rasuly und Abdullah Salloum lesen beispielsweise am Literaturfest-Samstag ab 15 Uhr in Bahrmanns Hof (Webergasse 2) aus Kirsten Boies zweisprachig herausgegebenem Werk „Bestimmt wird alles gut.“ Ahmad Seyar Rasuly stammt aus dem Norden von Afghanistan. Er lebt mit seiner Frau und vier Kindern seit 2015 in Meißen. Abdullah Salloum ist Palästinenser und wurde im Libanon geboren. Er kam mit seinen Brüdern 2016 in die Domstadt. Seine Familie folgte ihm im Dezember 2017. 

Herr, das Buch „Bestimmt wird alles gut“ handelt von zwei Flüchtlingskindern aus Homs. Es erzählt von der Flucht aus Syrien und von den ersten Eindrücken in Deutschland. Haben Sie ähnliche Erfahrungen bei Ihrer eigenen Flucht oder der Ankunft hier in Deutschland gemacht?

Unsere Flucht lief ähnlich ab wie im Buch beschrieben. Wir sind über die Türkei mit dem Boot nach Griechenland in Europa gekommen. Nach Deutschland sind wir dann per Bus, Bahn und viel zu Fuß gekommen. Vor allem Familien haben uns auf diesen Weg begleitet.

Herr Rasuly, warum haben Sie sich gerade für dieses Buch entschieden?

Wir haben dieses Buch ausgewählt, da meine Familie und ich die im Buch geschilderten Situationen ähnlich erlebt haben. Die Situation der afghanischen Flüchtlinge ist fast identisch mit denen der syrischen Flüchtlinge. Wie in Syrien herrscht auch in unserem Land seit Jahren Krieg. Auch wie wir nach Deutschland gekommen sind, ist derselbe Weg wie bei vielen Syrern.

Herr Rasuly, Sie haben drei Kinder, lesen Sie und Ihre Frau ihnen oft aus Büchern vor? Wenn ja, was sind die Lieblingsbücher Ihrer Kinder?

Ja, natürlich. Wir lesen jeden Abend vor dem Schlafengehen unseren Kindern etwas vor. Am meisten interessieren sich meine Kinder für Tiergeschichten. Auf Kinderbücher wie dieses, welches wir heute vorlesen, verzichten wir aktuell allerdings noch, da auch wir als Erwachsene noch viele Probleme mit den erlebten Situationen von damals haben. Auch haben wir das Gefühl, dass sie aktuell noch etwas zu klein sind, um zu verstehen, was alles passiert ist. Es wird noch eine ganze Weile dauern, bis wir dies alles aufgearbeitet haben.

Ihre gemeinsame Lesung wird in deutscher, arabischer und persischerSprache erfolgen. Wo haben Sie, Herr Salloum, Deutsch gelernt?

Ich habe hier in Deutschland die Sprache erlernt. Mittlerweile habe ich das Sprachniveau B2 erreicht. Alle meine Kurse habe ich in den letzten 9 Monaten erledigt. Am Anfang habe ich mir selbständig einige einfache Worte und Sätze beigebracht. Unterstützung bekam ich auch von der Kirche in Zeithain. Dort war ich in einem Erstaufnahmezentrum ganz am Anfang, als ich nach Deutschland kam, untergebracht.  Vor Ort hat mir auch viel die englische Sprache geholfen. Als ich nach Meißen kam, hatte ich das Glück, dass ich direkt die Menschen vom Bündnis Buntes Meißen und einige junge Leute von der Fachhochschule kennengelernt habe. Da war der Austausch im Englischen kein Problem. Mittlerweile unterhalten wir uns auf Deutsch. 

Herrn Salloum, haben Sie aktuell ein Lieblingsbuch? Wenn ja, wovon handelt es?

Aktuell lese ich “Wer die Nachtigall stört“ von Harper Lee. Es ist in den 1960er Jahren geschrieben worden und handelt vom Rassismus und dem Heranwachsen in den Südstaaten der USA in der damaligen Zeit.

Was wünschen Sie sich vom Literaturfest? Soll es mehr Lesungen auch in arabischer, persischer oder englischer Sprache geben?

Herr Rasully: Ich würde mich natürlich freuen, wenn es mehr dieser Lesungen geben würde. Leider gibt es nicht so viele Bücher in Persisch. Hier würde es mich freuen, wenn die Verleger nach den arabischen Übersetzungen auch diese mit anbieten würden. Das würde es auch einfacher machen, ein Verständnis für die Kultur und die Politik in Deutschland zu bekommen, wenn es Bücher über diese Themen in Deutschland in persischer Sprache geben würde.

Herr Salloum: Diese Lesungen sind sehr wichtig für uns. Wir haben dadurch z.B. die Möglichkeit, einen Einblick in unsere Kultur geben zu können. Es gibt viele Vorurteile gegen Flüchtlinge und Menschen mit Migrationshintergrund, die wir damit aufbrechen können.

Ist Meißen für Sie eine zweite Heimat geworden? Was mögen Sie persönlich an der Stadt besonders und was nicht so?

Rasully: Im Moment ist es meine zweite Heimat. Meine Kinder gehen hier zur Schule, ich habe eine feste Arbeit und habe viele Leute in den letzten 3 Jahren kennengelernt, die ich nun Freunde nennen darf. Aktuell ist es für mich und meine Familie das Beste, in Meißen zu bleiben. Aber natürlich wissen wir nicht, wie es in ein paar Jahren aussieht. Viel hängt von der Arbeit und den persönlichen Umständen ab.

Positiv empfinde ich die bürokratischen Abläufe hier im Landkreis Meißen. Nachdem wir als Familie unseren Aufenthaltsstatus bekommen hatten, ging alles ganz schnell und unkompliziert.

Nicht so schön empfinden wir vor allem in Meißen Triebischtal die Sauberkeit. Wir wohnen selber dort. Es gibt viele schöne Häuser, aber vor den Häusern und auch in den Höfen ist es oft sehr dreckig. Auch gibt es nicht viele Angebote für die Kinder und Jugendlichen im Triebischtal.

Salloum: Ich sehe es ähnlich wie Herr Rasully. Viel ist abhängig von der vor uns liegenden Zukunft.  Seit Dezember ist nun auch meine Familie bei mir, das verändert so einiges. Aktuell habe ich eine Teilzeitarbeit in Radebeul. Wir bleiben gern hier vor Ort, wenn die Rahmenbedingungen stimmen.

Als Probleme sehe ich die aktuell zur Verfügung stehenden öffentlichen Verkehrsmittel hier im Landkreis Meißen. Ich arbeite in Schichten und es ist sehr problematisch, sehr früh oder sehr spät schnell von A nach B zu kommen. Auch für die Freizeitgestaltung ist das hinderlich. Die Anzahl der Kindergartenplätze sehe ich auch noch als Problem. Meine Frau kann aktuell keinen Sprachkurs besuchen, da wir erst ab September einen Kindergartenplatz haben. Vielen Familien geht es so.

Was wünschen Sie sich für sich und Ihre Familie für die Zukunft? 

Salloum: Ich wünsche mir für mich und meine Familie ein normales Leben in Frieden, wie alle anderen hier auch.

Rasully: Ich möchte nicht noch einmal eine Flucht erleben. Es war alles sehr belastend und wir sind froh, dass diese Zeit nun schon 3 Jahre hinter uns liegt.

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