Ich lese gern…

2017-05-16 07:39
Bundesinnenminister Dr. Thomas de Maizière

Bundesinnenminister Dr. Thomas de Maizière ist seit 2009 der Schirmherr des Literaturfest Meißen. Wir haben mit ihm ein Gespräch zu seinen Buchvorstellungen in diesem Jahr sowie zum Thema Lesen allgemein geführt.

Herr Bundesminister, in wenigen Tagen wird das 8. Literaturfest Meißen wieder tausende kleine und große Zuhörer in die Domstadt locken. Sie werden auch in diesem Jahr nicht nur als Schirmherr, sondern auch aktiv als Vorleser am Literaturfest mitwirken. Auf was können sich die Besucher freuen?
Es stimmt, in diesem Jahr sind zwei Lesungen geplant. Die erste Lesung findet am Freitag, 9. Juni 2017, 18.00 Uhr in der Anneli-Marie-Stiftung in Meißen statt. Ich lese aus Claudio Abbado: Meine Welt der Musik: Orchester und Instrumente entdecken.

In der zweiten Lesung, am 11. Juni 2017, um 16.00 Uhr auf dem Markt in Meißen, möchte ich etwas aus einem Karl-May-Band vorlesen.

Die Idee, die hinter dem Lesefest steht, ist, dass sich Bürger, Autoren, Künstler, Unternehmer und Politiker ehrenamtlich engagieren und aus ihren eigenen Werken oder Lieblingsbüchern lesen. Warum haben Sie sich in diesem Jahr für diese beiden Bücher entschieden? Und was verbindet Sie mit diesen Büchern?
Das Buch „Claudio Abbado: Meine Welt der Musik: Orchester und Instrumente entdecken.“ passt meiner Ansicht nach zum Anliegen der Anneli-Marie-Stiftung, junge Menschen für Musik zu begeistern. Es ist sehr gut geeignet für Kinder und Jugendliche, aber auch als Erwachsener kann man Spaß daran haben. Ich habe es mit meinen Kindern auch gelesen und oft verschenkt.

Karl-May-Bücher haben mich schon als Jugendlicher begeistert und ich habe alle Bände regelrecht verschlungen. Mit Karl-May haben wir einen weltberühmten Schriftsteller in unserem Landkreis. Darauf kann man stolz sein und auch immer mal wieder darauf aufmerksam machen. Erst vergangene Woche konnten wir dem Karl-May-Museum eine große Summe Fördermittel zum Neubau eines Besucher- und Ausstellungszentrums übergeben.

Ihr Arbeitspensum als Bundesinnenminister ist sicher enorm. Kommen Sie aktuell überhaupt dazu, privat ein Buch zu lesen? Wenn ja, was lesen Sie momentan?
Auf meinem Nachttisch liegt immer ein Buch. Ich lese sehr gern und jeden Abend. Tatsächlich muss ich derzeit manche Seite doppelt lesen, weil ich darüber eingeschlafen bin. Ich lese keine Politikerbiographien oder dergleichen, dafür gern Romane oder Krimis. Momentan lese ich „Trutz“ von Christoph Hein.

In Ihren vor kurzem veröffentlichten Thesen zur Leitkultur für Deutschland heißt es unter anderem „Wir sind eine Kulturnation.“ Was meinen Sie, hat Meißen diese Kulturnation mit geprägt? Und wenn ja, wodurch?

Selbstverständlich gehört Meißen zu dieser Kultur und prägte sie entscheidend mit. Hier nur ein paar Beispiele: In Meißen steht mit der Albrechtsburg der älteste deutsche Schlossbau. Im Jubiläumsjahr der Reformation verweise ich darauf, dass Martin Luther in seiner ersten Bibelübersetzung das Meißner Kanzleideutsch nutzte und so die Voraussetzung für ein den Dialekten übergeordnetes Standarddeutsch schuf.

An der einstigen Fürstenschule, der heutigen St.-Afra-Schule, lernten spätere Literaten der Aufklärung wie Gotthold Ephraim Lessing und Christian Fürchtegott Gellert. Karl May reiste von hier aus literarisch in fremde Welten. Die Erfindung des Meißner Porzellans beeinflusste die deutsche und europäische Kunst- und Kulturlandschaft ebenso entscheidend.

Sie sind seit dem Start des Literaturfestes im Jahre 2009 dessen Schirmherr. Was hat Sie damals bewogen diese Schirmherrschaft zu übernehmen?

Ich bin 2009 von den Organisatoren gebeten worden, die Schirmherrschaft für das Literaturfest zu übernehmen. Ich fand die Idee klasse und wollte gern zum Gelingen des Literaturfestes beitragen. Lesen ist kulturvoll und vermittelt Bildung, Werte und Prinzipien für unser Zusammenleben. Lesen fördert die Fantasie und den Gedankenaustausch zu allen denkbaren Themen.

Wie hat sich das Fest aus Ihrer Sicht entwickelt? Wo sehen Sie das Literaturfest in fünf Jahren? Was wünschen Sie sich für die Zukunft? 

In den vergangenen Jahren gab es vereinzelt Lesungen in verschiedenen Sprachen. Dies kann durchaus erweitert werden. Ansonsten finde ich, braucht sich gar nicht so viel zu ändern.

Damit das Literaturfest Bestand hat, braucht es talentierte Vorleser, hin und wieder einen bekannten Autor, der selbst vorliest, und viele interessierte Zuhörer. Ganz wichtig bleibt ein engagiertes Organisationsteam, das mitreißt und begeistern kann. Deshalb an dieser Stelle meinen herzlichen Dank an den Kulturverein Meißen, die Unterstützer und Sponsoren und alle Helferinnen und Helfer, die im Hintergrund zum Gelingen beitragen.

Sicher bin ich mir in einem Punkt: An interessantem Lesestoff wird es ganz bestimmt auch in Zukunft nicht mangeln.

Zurück